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COMBATscience Augmented, 2018

Augmented Reality Installation
Maße variabel
HoloLens (Version 1, Development Edition), Halterung; Bewegtbild, Ton. Dauer: 5 - 10 min.

In Zusammenarbeit mit Patricia Köstring
Software-Design: Thomas Hochwallner; Programmierung: Johannes Hucek, Peter Koger, Norbert Unfug; Scan- und Aufnahmetechnik: Thomas Hochwallner, Fritz Ölberg, Gabriel Schönangerer; Software-Recherche: Thomas Hochwallner, Stefan Fischer
Darsteller_innen: Maria Schuchter, Thomas Kamper


COMBATscience Augmented ist eine 2018 entstandene Augmented Reality Installation für HoloLens. Die Arbeit greift Inhalte des 2008 in Kooperation mit der Kuratorin Cathrin Pichler im Volkstheater Wien realisierten Multimedia-Environments COMBATscience auf und transformiert diese in ein anderes sensorisches Setting. Die Lebensgeschichten des Chemikers Fritz Haber (1868 - 1934) und seiner Frau, der ebenfalls in Chemie promovierten Clara Immerwahr (1870 - 1915), dienen als Folie, aus der verschiedene Ereignisfelder entwickelt werden. Diese nähern sich Fragestellungen rund um die Rolle von Wissenschaft zwischen Forschungsethik und Machbarkeitsdenken.

Fritz Haber und Clara Immerwahr waren ein Paar mit entgegengesetzter Geisteshaltung: Haber setzte im 1. Weltkrieg sein Wissen als Chefdesigner des deutschen Gaskriegs für die Kriegsführung ein, die Pazifistin Immerwahr beging nach dem ersten Giftgaseinsatz deutscher Truppen Suizid. Die Entfremdung der Eheleute hatte weit früher begonnen: Die ambitionierte Chemikerin Clara Immerwahr, eine der ersten Frauen in Deutschland mit Promotion, wurde aus dem Labor hinaus- und in die Rolle der Ehefrau und Zuarbeiterin hineingedrängt.

Wurden im Volkstheater Wien (2008) die BesucherInnen durch eine 50-minütige performative Collage geführt, so bewegt sich nun der/die BetrachterIn mit einer kabellosen Datenbrille (HoloLens) zwischen verdichteten Stationen des Handlungsspektrums. Die Elemente des im Raum platzierten Environments sind zum Teil über Handgesten ansteuerbar. Inmitten des realen Umraums und anderer Ausstellungsexponate entfalten sich digitale holografische Miniaturen und Szenarien. Anders als im theatralen Ambiente erschließt sich die Installation nur in der individuellen Betrachtung über die HoloLens.

Zentrale Elemente der AR-Szenarien sind fünf von zwei SchauspielerInnen gespielte und gesprochene Passagen. Die SchauspielerInnen, die Immerwahr und Haber verkörpern, agieren dabei sparsam, eher im Sinne eines Tableau vivant. Die Texte für die vier Monologe und den zentralen Dialog behandeln die jeweilige Sicht auf den Zweck der Wissenschaft, das Auseinanderdriften dieser Ansichten sowie die persönlichen sowie politischen Konsequenzen daraus. Die Figuren Haber und Immerwahr werden jeweils über eine Handgeste in Szene / Bewegung gesetzt. Grundlage für die Texte sind ausschließlich originale bzw. den beiden WissenschaftlerInnen zugeschriebene Aussagen. Von diesen Szenen ausgehend wird über Schrift, Ton und Bewegtbild die zentrale Thematik in die Gegenwart hinein aktualisiert: Textobjekte und autonome Soundspots skizzieren Implikationen bzw. gesellschaftliche Konsequenzen von Künstlicher Intelligenz und Algorithmen.

Ergänzung zur Arbeit ist die im Ausstellungsraum zur freien Entnahme aufliegende Materialsammlung. Die Publikation im Reclam-Heft-Format, eine exemplarische Sammlung von Recherchematerialen zu COMBATscience Augmented, nähert sich über ausgewählte Originalzitate den Themen Risikoforschung und Dual Use.


Ausstellungen:
2018, #fuckreality, Kunstraum Niederoesterreich, Wien (AT)